11. Einfachrohrblätter: “Steinzeitsaxophon”

Eine weitere Anblastechnik, die sich mit den sardischen Launeddas vergleichen lässt, liefert wieder Simon Wyatt (vgl. voriges Kapitel):

Am Ende eines Federkiels wird Schnitt angebracht und mit einem dünnen Faden aufgespreizt, wodurch der obere Teil beim Anblasen schwingt.Dasselbe probiert er mit Holzrohr- oder auch Knochenaufsätzen.

Die Launeddas bilden traditionell mit zwei gelochten Rohren und einer Bordunpfeife ein Dreierset.

Im Experiment wurde das Bambusmundstück an eine Bambusröhre angeschlossen und am Ende ein Kuhhorn angebracht. Wir nennen dieses Instrument “Steinzeitsaxophon”.

Damit wäre vielleicht für die sog. Flöte vom Geißenklösterle ein neuer Rekonstruktionsvorschlag zu sehen.

Es handelt sich um ein Fragment mit drei bzw. vier Löchern. Besonders sind die maßgebenden Kerben zwischen den Löchern, was beweist, dass die Lochabstände systematisch ermittelt wurden.

Hier sei besonders auf das vermeintliche Ende der “Flöte” hingewiesen. Es würde sich als Ansatz für ein Einfachrohrblatt aus Federkiel, Holz oder Knochen eignen.

Zudem erscheint der Abstand des letzten bzw. eher ersten Lochs zur unteren Kante sehr klein (besonders im Vergleich mit der pentatonischen Hohle-Fels-Klarinette). Wenn daran ein Rohrblattmundstück angebracht war, ist dieser Abstand vergrößert.

Somit sind vielleicht zwei verschiedene Einfachrohrblatt-Konstruktionen bereits im Aurignacien Mitteleuropas vertreten.

Ebenso wie das Klarinettenmundstück sind die “Steinzeitsaxophone” mit dem Launedda-Mundstück einfacher herzustellen als Kernspaltflöten.
Die abgebildeten Nachbauten (Löcher nach Hohle Fels) haben einmal ein Kürbisende als Schalltrichter, einmal ein Kuhhorn.

Letzteres erinnert an das Kuhhorn aus Hallstatt, das als Signalinstrument angesprochen wird. Mit der hier vorliegenden Rekonstruktion, könnte man das berühmte (jüngere) Hallstätter Kuhhorn vielleicht als einen Bestandteil eines z. T. vielleicht hölzernen Blasinstruments deuten.

saxMundstück_SaxNachbauten “Steinzeitsaxophone” (Fotos: M. Praxmarer)

 

GeißenklösterleFlöte 1 aus der Geißenklösterle Höhle (Speiche eines Schwans), Aurignacien (Holdermann / Beck / Simon 2001, Tafel 24)

 

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