12. Mirlitons: die “Verzerrer der Steinzeit”

Bereits in der älteren Literatur scheint das sog. Mirliton auf.

Dessen Funktionsweise beruht auf dem erzwungene Mitschwingen einer Membran beim Sprechen, Singen, Blasen usw.

Eine Art davon beschreibt Curt Sachs im „Handbuch der Musikinstrumentenkunde“ in der „Flatsche“ des Kärntner Lavanttales.

Wir alle haben schon einmal auf einem Kamm geblasen – so funktioniert das Mirliton.

Es ergibt sich nach Sachs eine Verstärkung und nasale Färbung des ursprünglichen Klanges, ohne zu einem selbstständigen Ton zu führen. [1]

Bei den Dan im nördlichen Grenzgebiet der Elfenbeinküste sind Mirlitons als röhrenförmige Vogelknochen, bei dem eine Öffnung mit einem Spinnengespinst verschlossen ist, überliefert.

Es wird zum Verstärken und Verändern der Stimme, und deshalb häufig bei Kulthandlungen, verwendet, so schreibt Hermann Meyer 1977. [2]

Die “Steinzeitklarinetten” die Ringot für die schwäbische Alb rekonstruierte (auch die mit drei Löchern erhaltene Geißenklösterle-“Flöte”) hat er in einem Fall als Mirliton nachgebaut – mit einer Membran am ersten Loch. [3]

Im Nachbau ist auch dies einfach zu bewerkstelligen. Ein Stück Naturdarm wird bis über das erste Loch geschoben. Nach dem Trocknen ist das Ergebnis der “Verzerrer der Steinzeit” (siehe Abb. “Steinzeitklarinette”).

Beim Geißenklösterle-Fund wäre eine mitschwingende Membran (aus Naturdarm) mitunter die Erklärung für das Fehlen der eingekerbten Messstriche zwischen dem hier als Erstes angesprochenen Loch und dem Zweiten. Am restlichen Teil des Artefakts sind Kerben zwischen den Löchern, die auch die Position des vierten Loches recht gut verraten (siehe Abb. “Steinzeitsaxophon”).



[1] Sachs 1930, 114 f.

[2] Meyer 1977, 35 f.

[3] Ringot 2012, Fig. 3.

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