3.3.1. Klarinette/Schalmei

Nach einem Vortrag von Jean-Loup Ringot bei der Öguf-Tagung 2010 (pers. Mitt. Hr. Michael Schick; vgl. auch Vortragskonzert Archäomusik Vienna „Am Anfang war die Stimme“, nat. hist. Mus. Wien, 6.03.2012) ist das Blasinstrument aus der Hohle-Fels Höhle wahrscheinlich als Schalmei zu rekonstruieren.

Es handelt sich um ein einfaches Rohrblattinstrument.

Auf das schräg abgeflacht zulaufende obere Ende kann ein Holzblättchen, vornehmlich aus Birkenrinde, darauf gelegt und oben mit gewachster Hanfschnur festgebunden werden.

Es ergeben sich ein mit modernen Klarinetten vergleichbares Mundstück und ein verzerrter markanter Klang.

schalmeien

Jean-Loup Ringot ist Museumspädagoge und bietet als „Steinzeitanimateur“ Programme für Schulen und Museen an.

Der Nachbau erweist sich als sehr unkompliziert.

Die Birkenrinde muss nur geschliffen und ausgeschnitten werden. Das Blasinstrument von Hohle-Fels ergibt außerdem als Flöte kaum einen tonalen Sinn, als Schalmei funktioniert sie wunderbar. Mit etwas Übung spielt die Schalmei z. B. eine  Pink Panther-Variation.

Durch einen freundlichen Literaturhinweis von Frau Beatrix Nutz (Inst. Archäologien, Ibk.) konnte die Bautechnik noch verfeinert werden.

In Studien zur Muskigeschichte VIII erläutert Ringot kurz seine Rekonstruktion (Ringot 2012).

Im darauffolgenden Artikel von Simon Wyatt (Wyatt 2012) kommen bahnbrechende Hinweise:

Er erzielt zum Einen eine größere Länge über das Zusammenkleben mehrerer Vogelknochen. Abgebildet sind Verbindungen mit Bienenwachs (und eine Hornmuffe?). Der Verf. probierte das Kleben mit Birkenteer, was eine stabile Verbindung ergibt.

Des Weiteren verwendete Wyatt auch Horn für das Rohrblatt, was der Verf. auch (mit Gemsenhorn) probierte und was wunderbar funktioniert.

 

Eine weitere Anblastechnik, die sich mit den sardischen Launeddas vergleichen lässt, liefert Wyatt noch obendrauf: Am Ende eines Federkiels wird Schnitt angebracht und mit einem dünnen Faden aufgespreizt, wodurch der obere Teil beim Anblasen schwingt. Dasselbe probiert er mit Holzrohr- oder auch Knochenaufsätzen. Die vergleichbaren Launeddas bilden traditionell mit zwei gelochten Rohren und einer Bordunpfeife ein Dreierset. (siehe: Steinzeitsaxophon)

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