13. Didgeridoos, Stampfröhren und Maultrommeln

Schraper und Schwirrhölzer bestehen höchstwahrscheinlich ebenfalls wie Flöten und Trommeln häufig aus vergänglichem Holz.

Größere mögliche Blasinstrumente, wie das Didgeridoo, wie es von australischen Ureinwohnern bekannt ist, könnten mit der gleichen Technik hergestellt worden sein, mit der Elfenbeinflöten hergestellt wurden (aus zwei Hälften gefertigt), oder in natürlicher Form von „bambusartigen“ Gewächsen oder ausgefressenen oder ausgefaulten Baumstämmen vorgekommen sein.

Eine heutige natürlich wachsende Variante in unseren Breiten wäre der Engelswurz, ein bis zu zwei Meter hohes Doldengewächs [1].

Karl Neuenfeldt befasst sich mit den alten Instrumenten und ihren neuen Kontexten. Es ist zu betonen, dass das Didgeridoo ganz spezifisch durch die Ureinwohner Nordaustraliens bekannt wurde.

Die ersten Beschreibungen aus dem 19. Jh. sprechen von einer „rohen Burlesque (Übertreibung) von Musik“. [2]

Im Einfluss von New-Age und World/Beat-Music entwickelt sich der heutige globale Markt im Multimillionen-Dollar Bereich [3].

Neuenfeldt beschreibt v. a. die moderne Abwandlung des Abouriginee-Brauches. Ursprünglich sei das Instrument einzeln, begleitend zu Gesang, oft in Verbindung mit Klapperstöcken verwendet worden.

In moderner Zeit gibt es die sogenannten Blow-Ins. Es werden Rekordversuche unternommen, wobei bis zu 240 Didgeridoospieler (inoffizieller Rekord in London 1990) gleichzeitig blasen.

Der zweite Schwerpunkt Neuenfeldts zum Thema moderne Didgeridoobräuche liegt auf dem Einsatz des Vibrationen erzeugenden Instrumentes in der Therapie.

Hier hegt er eher Zweifel an der Verwendung zur Heilung bei den Abouriginee „obwohl einzelne Nachweise vorliegen“. [4]

Michael Brosnan dagegen spricht von traditionellem Gebrauch zur Heilung bei Australiens Naturvolk und beschreibt die Wirkung als „Massage auf atomarem und molekularen Level“. Er nennt seine Praktik DRT (Didjeridu-Resonance-Therapy).Heilen sei bei den Abouriginee weniger auf Kranke bezogen, sondern mehr auf das Gesund-Halten der Menschen. [5]

George Chaloupka († 18.10.2011) war der Experte für die Höhlenmalereien Australiens. Tausende Fundstellen, über 2000 allein in der Region des Arnhem-Land-Plateaus an der Nordküste wurden in der Vergangenheit wie Werke von zufälligen Besuchern, oder sogar von Außerirdischen interpretiert. [6]

1981 wurde das Gebiet des Arnhem-Land-Plateaus zum Weltkulturerbe erklärt und in Kakadu-Nationalpark umbenannt. [7]

Bei den Felsbildern, deren Tradition 50 000 Jahre zurückreicht (Thermoluminiszenz-Datierung eines Ockersteines mit Abriebspuren aus Djawumbu) [8] und bis heute andauert, finden sich auch die ältesten bekannten Darstellungen von Didgeridoos.

Das Mole oder Didgeridoo, umgangssprachlich von den Einheimischen „bamboo“ genannt [9] tritt nach Chaloupka in den 2000 untersuchten Fundorten der Felskunst in der Freshwaterperiode (1500-300 J. v. H.) auf [10].

DidgeDjawumDie Didge-Spieler tragen häufig eine Feder als Kopfschmuck. Ikonographisch könnte man dieses mit dem „gefiederter Pfeil-Symbol“ der europäischen Höhlenmalereien der Steinzeit vergleichen. Es liegt nahe den Federschmuck als Statussymbol zu interpretieren.

Chaloupka stand selbst in freundschaftlichem Kontakt mit Eingeborenen, die z. T. heute noch die Maltradition fortführen.

Er berichtet das Instrument sei in den, an das Arnhem-Land-Plateau anschließenden Küsten-Tiefländern entstanden, und in der Vergangenheit aus angole (Bambus) hergestellt worden (daher der Name Mole).

Das Bambus wird abgebrochen, an Beiden Enden angebrannt und die Ränder an Fels geschliffen; die Zwischenwändchen werden mit einem gewöhnlichen „Grabestab“ durchstoßen.

Das Holz-Didge aus von Termiten hohl gefressenen Bäumen, v. a. Eukalyptus, ist heute sehr gängig.

Die lokalen Menschen verwenden immer noch den englischen Namen „bamboo“, sodass man im Bambus das primäre Material annehmen könnte.

Didgeridoos sind im Durchschnitt 1 bis 1,5 m lang, manchmal auch 2 m oder länger. Bienenwachs kann das Mundstück verfeinern. [11]

didges

Das Spielen von Didgeridoos in Eiszeiteuropa ist nicht zu beweisen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass bereits im Anfangsstadium der Verwendung von bewusst hergestellten Musikinstrumenten auch lange hohle Röhren angeblasen worden sind.

Durch die Vielfalt und Verschiedenheit der Instrumente heutiger Naturstämme lässt sich auch für die Steinzeit eine große Bandbreite annehmen, die lokal stark variiert.

 

Bei weiteren möglichen Instrumenten aus vergänglichem Material ist in Mitteleuropa v. a. Holunder wichtig: Das zeigt etwa eine bronzezeitliche Schrägflöte vom Bodensee [12] (mit Analogie etwa auch zu modernen Schrägflöten japanischer Krieger). Aus größeres Stämmen ließen sich Didgeridoos oder etwa auch Alphörner herstellen.

 

Bei Instrumenten aus Bambus sind auch die Stampfröhren zu erwähnen, die, neben Rinden-Klappern, Spalttrommeln und mit dem Handballen angeschlagenen Blätter-Packeten, als charakteristisch für melanesisch-traditionelle Musik gelten [13] und z. T. zu Viktor Grauers “Out-of-Africa-Instrumentarium gehören. Hingegen scheinen laut Ammann auf der Insel im Nordwesten Australiens „keine Membranophone oder Chordophone je existiert zu haben“ [14]. Die 1 bis 1,4 m langen Stampfrohre werden auf den Erdboden gestampft, oder von ca. 20-30 cm herunter fallen gelassen. Der perfekte „dull“-Klang wird bei nassem Boden erreicht. [15] Im Experiment zeigte sich, dass auch das Klopfen mit dem Handballen auf das Ende eines Bambusrohres (selbstgebautes Didgeridoo) einen dumpf und voll klingenden Ton erzeugt.  [vgl. SteinzeitSession: Musikbogen]

 

Wie Didgeridoo und Holzrassel haben auch hölzerne Maultrommeln keine Spuren für den Archäologen hinterlassen, kommen aber bei modernen Naturvölkern vor. Wann genau sich das Know-how für die filigrane Konstruktion eines sauber schwingenden Klöppels entwickelt, ist nicht klar.

MautroDie Mundbögen funktionieren jedoch bereits nach dem Maultrommel-Prinzip.

Seeberger rekonstruiert bei seiner CD „Klangwelten der Altsteinzeit“ auch die Klänge einer Holz-Maultrommel [16]. Im Experiment erweist sich das Schnitzen als sehr anspruchsvoll.

Die im Handel erhältlichen „Sprechtrommeln“ sind aus Bambus hergestellt.


[1] Seeberger 2002, 64 f.

[2] Neuenfeldt 1998a, 34.

[3] Neuenfeldt 1998a; ders. 1998b.

[4] Neuenfeldt 1998a, 37.

[5] ebd.

[6] Chaloupka 1993, 19 f.

[7] ebd., 22.

[8] ebd., 26; 81.

[9] ebd., 81.

[10] ebd., 189.

[11] ebd., 189.

[12] Walter / Schimmer 2008.

[13] Ammann 1998, 12.

[14] ebd., 14.

[15] ebd.

[16] Seeberger 2003.

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