12. Musikbögen und Bumbass

Im Magdalenien (ab ca. 18 000 v. Chr.) findet in Europa eine Revolution in der Waffentechnik statt: Pfeil und Bogen setzen sich durch.

Die frühesten Steinprojektile, die aufgrund der Größe als Pfeilspitzen gesehen werden, kommen bereits um 20 000 v. Chr. vor.

Ernst Hermann Meyer postuliert in Anlehnung an Collaer und auch Kurt Sachs, der Bogen als Musikinstrument sei älter als die Waffe [1].

Von neuzeitlichen Naturvölkern verzeichnet Meyer Bögen mit ein oder zwei Saiten aus Sehnen, Pflanzenfasern u. ä., mit dem Mund oder mit einem Kürbis als Resonanzkörper (Taf. 16). Die Saite wird mit einem Zahnholz oder mit dem Finger angespielt.

mubög Ein Pfeil-Bogen ohne Stein- sondern mit vergifteten Pfeilspitzen, kleiner als ein Projektil-Pfeil-Bogen, ist bei den Nachfahren des homo sapiens sapiens aus Afrika typisch, und kommt auch bei modernen Naturvölkern auf dessen Wanderungsroute vor.

Victor Grauer merkt allerdings an, dass diese Bewaffnung unter Umständen erst später angenommen worden ist (vgl. u. Kap. IV und V).

Der Bumbass ist die Weiterentwicklung der Musikbögen zu Musikstäben. Der Saitenträger ist nicht biegsam und gebogen, sondern starr und gerade. Den Klangkorpus bildet eine eingeklemmte Rinderblase. (Bild oben) Das erzeugte Geräusch ähnelt einem Trommelwirbel. Zu Kurt Sachs Zeit ersetzte eine moderne Bumbass-Variante (ein Stock mit Schellen und „fantastisch geschnitzem Kopf“, der zusätzlich zum Zupfen auf den Boden gestampft wurde) in Dorfkapellen und dergleichen das Schlagzeug. [2]

Die ältesten bekannten Saiteninstrumente mit mehreren Saiten (Harfen) sind auf Persischen Siegeln im 3. Jahrtausend v. Chr. abgebildet [3]. Bei späteren orientalischen und griechischen Harfen sind auch Schildkrötenpanzer als Resonanzkörper nachgewiesen [4].

Die Musikbögen initiieren vermutlich bei Steinzeitmenschen die Pfeil-Bogen-Technik, und sind dadurch mitunter als ein Symbol für den Fortschritt zu sehen.


[1] Meyer 1977, 42.

[2] Sachs 1930, 119 f.

[3] Harp 2004.

[4] Tomedi 2001, 11.

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