6. Gelochte Höhlenbären-Knochen

In der älteren Literatur werden Flöten aus Bärenknochen, wenn auch unter Vorbehalten, als die ältesten Musikinstrumente angeführt. [1]

Durch neuere mikroskopische Analysen und Lochungs-Experimente konnte festgestellt werden, dass die Löcher der „Flöten“ in vielen Fällen durch Tierverbiss entstanden sind, oder dass die Entstehung der Löcher nicht nachweisbar ist.Die markanten Spuren der Steinwerkzeuge, wie sie bei intentionell hergestellten Flöten auftreten, fehlen [2].

Besonders der Fund der Divje Babe „Flöte“ 1995 in Slowenien aus einer Neandertalerschicht führt zu öffentlichen Spekulationen.

Höhlenbär_DivjeBabeDer Artefaktcharakter, den die Flöte ausstrahlt, kann nicht bewiesen werden. Ausgräber Ivan Turk und seine Kollegen führen akustische Versuche durch. Dabei entlocken sie den Rekonstruktionen aus Bärenknochen, Gips und Metall eine große Bandbreite an Tönen und Melodien [3].

Die vermeintlichen Flöten aus Bärenknochen aus der mittleren Altsteinzeit Europas können aufgrund des Fehlens der geistigen Kapazitäten für das Herstellen von Musikinstrumenten nur zufällig, oder durch frühen Kontakt mit homo sapiens entstanden sein.

Die Fülle an Bärenknochen in den Eiszeithöhlen zeigt, dass sich Bären zum Sterben hierher zurückgezogen haben. Aasfressende Raubtiere brechen die Knochen durch Bisse auf, um an das Knochenmark heranzukommen.

Dass bereits ein Neandertaler durch den Divje Babe Knochen geblasen hat, ist nicht auszuschließen, genauso wie mit anderen gelochten Knochen gespielt worden sein könnte. Das Herstellen von Instrumenten zum Musizieren dürfte jedenfalls erst mit der Denkweise des modernen Menschen möglich sein.


[1] Zagiba 1976, 15 f. ‒ Meyer  1977, 19. ‒ Brockhaus 1985, 58.

[2] Albrecht et. al. 1998.

[3] Kunej / Turk 2000.

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