Vorwort

Musik und Tanz sind mit dem menschlichen Spieltrieb verbunden, sind Ausdrucksmittel von Emotionen, es werden Geschehnisse aus der natürlichen Welt dargestellt bzw. die Partnerschaft zwischen Mann und Frau oder Gruppenbeziehungen reguliert und gefördert.

Die Ursprünge von Musik und von Tanz sind Teil eines etwas komplexeren Geschehens, das eng mit dem Ursprung von Sprache verknüpft ist.

Tanz, Musik und Sprache basieren auf einem musikalischen Kommunikationssystem, das eine Vorstufe für alle drei bildet.

 

 Die Musik in der Steinzeit

Erst mit dem Bewusstsein des modernen Menschen, seiner Fähigkeit zum symbolischen Denken und zu Religiosität manifestieren sich Tanz, Musik und Sprache in ihren heutigen Funktionen. [1]

Mit der Auswanderungswelle des homo sapiens vor ca. 100 000 Jahren aus Afrika und besonders mit seinem Auftreten in Europa vor ca. 40 000 Jahren ist ein kreativer Urknall verbunden, der durch Funde von kunstvoll gefertigten Kleinplastiken, Malereien, Gravuren und den ersten bewusst hergestellten komplexeren Musikinstrumenten belegt ist.

 Steinzeit Musikinstrumente – Die Ursprünge der Kunst

Die materiellen Hinterlassenschaften sowie schriftliche Quellen zu modernen Naturvölkern erlauben maßgebliche Einblicke in die Glaubens- und Vorstellungswelt der Jäger und Sammler der Eiszeit, die eine bemerkenswert hoch entwickelte Kunst hinterließen.

Darstellungen von Menschen, Tieren und Mischwesen bieten Hinweise für schamanistische Praktiken.

Die symbolischen Zeichen oder einfache Linien und Punkte in der bildenden Kunst, die vielen Forschern Rätsel aufgeben, haben nach Martin Porr Parallelen zu in allen Menschen gleich ablaufenden Bewusstseinsprozessen: der Trance [2].

Neuerdings gibt es Anhaltspunkte für eine Art Symbolalphabet [3].

Abbildungen von Tieren können totemistisch verstanden werden [4].

(Kapitel: Ritual und Religion)

Die Musikethnologie liefert u. a. neue Hinweise wie die Musik des frühen homo sapiens sapiens in Afrika und auf seiner Weltreise geklungen haben könnte [5].

(siehe Kapitel: Musikethnologie)

 

Die Neandertaler könnten ― vielleicht auch nur als Publikum ― die Inspiration geliefert haben, die den modernen Menschen veranlasste über sich Hinauszuwachsen.



[1] nach: Mithen 2005.

[2] siehe bes. Lewis-Williams / Dowson 1988. ‒ Porr 2001, 95 f.

[3] Ravilous 2013.

[4] Castaneda 1972. ‒ Harner 1980.

[5] bes. Grauer 2011.

 

SteinzeitSession – Steinzeitmusik Ensemble

Im Sommer 2010 wurden Steinzeit-Musikinstrumente im Rahmen eines Workshops des Vereins „Die Selch“ nachgebaut und Aufnahmen unter freiem Himmel durchgeführt (Tafel 1).

Tafel 1

  Im Sommer 2011 produzierte erneut eine neunköpfige Gruppe Steinzeit Musik, die sich an steinzeitlichen und naturvölkischen Vorbildern orientiert. (Tafel 2) Das Ergebnis ist die CD „Steinzeit Spirit“ (CD1).

ausschnitt.jpg

 

Das Programm “SteinzeitRezepte” und “Gesundheit” gibt es seit 2012. Die beiden Aufnahmen stammen aus dem Winter dieses Jahres.

SteinzeitRezepte_Gesundheit

Im Sommer 2013 Jahr wurden “Klammklaenge” aufgezeichnet, die von einer Grillfeier mit steinzeitmusikalischer Untermalung in der Mieminger Klamm zeugen.

Klammklaenge

Die neuesten Aufnahmen derzeit stammen vom Fest der Steinzeitmusik im Schwazer Silberwald 2013 (Video Startseite).

Aus diesen drei Sessions setzt sich die CD2: “Best of SteinzeitSessions 2012/2013”  (digitally remastered) zusammen:

Best_of_SteinzeitSesssions_2012_2013

Ein Besuch in der Tischoferhöhle ist auf Video festgehalten.

 

Materialien zur Produktion von Steinzeit Musik-Instrumenten

Es wurden tierische Rohmaterialien (Zähne, Knochen, Horn, Geweih, Haut, Schale) von Vögeln (Schwan, Steppenadler, Himalaya Glanzfasan, Keulenhornvogel, dunkelroter Ara), von Rind, Schaf, Gemse, Rotwild und Karibu verwendet; weiters Muschel- und Schneckenschalen, sowie Naturdarm vom Schwein.

Außerdem sind Holz, Kürbis und Bambus sowie Birkenteer, Lärchenpech, Hanfschnur und Steine verarbeitet worden.

Bei der Herstellung der Instrumente wurde aus Zeitgründen auch mit neuzeitlichen Werkzeugen gearbeitet (Stemmeisen, Bohrer u. ä.).

Der Leitfaden für die Bauweise war vor allem durch F. Seebergers „Steinzeit Selbst Erleben“ gegeben [1]. (siehe Kapitel: Musikinstrumente der Steinzeit), worin gute Anleitungen zur Nachbildung, nicht nur von Musikinstrumenten, sondern von vielerlei steinzeitlichem Geräte-Inventar, zu finden sind.

Der hier vorliegende Text gibt im ersten Kapitel die Theorie der „Singenden Neandertaler“ von Steven Mithen wieder [2].

Er zeichnet hierbei ein detailreiches Bild von einer vorsprachlichen Zeit, als Musik ein Teil der alltäglichen Kommunikation war. (Kapitel: Ursprung)

Nach den Beschreibungen zur Evolution von Tanz und Musik, werden archäologische Zeugnisse – Tanzdarstellungen und Funde von Steinzeit Musikinstrumenten – v. a. anhand der europäischen Beispiele aufgezeigt.

Durch Überlieferungen über rezente Naturvölker konnte das Instrumentespektrum erweitert werden. Das Holzinventar aus der Steinzeit ist zumeist längst zerfallen. Es sind von neuzeitlichen Jägern und Sammlern einige Instrumente, die nur aus Holz herstellbar sind, zugänglich.

Es lässt sich schließlich aufzeigen, dass die Musik des homo sapiens aus Afrika sich sehr davon unterscheidet wie sich derselbe im Eiszeiteuropa  ― noch zur Zeit des Neandertalers ― präsentiert.


[1] Seeberger 2002.

[2] Mithen 2005.

Danksagungen:

Mein Dank richtet sich zuerst an alle, die bei der Rekonstruktionsarbeit geholfen haben, und die bei den Steinzeit-Sessions dabei waren und sind:

Pez Astenwald, Marko Bacher, Elisabeth Beringer, Julia Bischof, Martin Federspiel, Iris Gagliano, Markus Gonner, Betty Hartl, Martina Imhiavan, Irene Karner, Christina und Juliana Kollegger, Linja Meller, Claudia Neudecker, Vince Obwegeser, Thomas Öfner, Verena Praxmarer, Sergio Salvemini, Michael Schick, Karl Wagner und Ricardo Ziegelwanger sowie Strizi.

Der Zirler Verein „die Selch“ begleitete das Projekt von Anfang an. (www.dieselch.at)

Besten Dank an Armin Wechselberger mit dem das “Fest der Steinzeitmusik” im Schwazer Silberwald 2012 und 2013 realisiert werden konnte. (www.schwazersilberwald.at)

Der Raritätenzoo Ebbs (www.raritaetenzoo.at), sowie Helga Marchhart, Peter und Vinzenz Praxmarer haben tierische Rohmaterialien zur Verfügung gestellt. Besten Dank auch an Peter Morass, der für uns präpariert hat.

Tobias Schneitter, Hannelore und Martin Praxmarer sowie Sergio Salvemini haben für die hölzernen Rohstoffe gesorgt.

Weiters möchte ich Ao.Univ.-Prof. Dr. Walter Leitner, vom Institut für Archäologien der Leopold-Franzens Universität Innsbruck, Univ.Doz. Dr. Raymond Ammann vom musikwissenschaftlichen Institut der LFU sowie Mag. Wolfgang Sölder vom Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Herrn Prof. Gerhard Tomedi und Herrn Prof. Clemens Eibner sowie Frau Mag. Beatrix Nutz für ihre wertvollen Hinweise danken.

Besten Dank an den Gestalter der Homepage Dominik Rainer.